Publikation im Economic Journal: Wie staatliche Ausgaben den Wettbewerb um Arbeitskräfte anheizen und für höhere Löhne sorgen können

Am Lehrstuhl Applied Economics ist eine neue Forschungsarbeit zur Veröffentlichung im renommierten Economic Journal angenommen worden. Die Studie von Christian Bredemeier (Bergische Universität Wuppertal), Babette Jansen (Universität Antwerpen, Belgien) und Roland Winkler (Universität Jena) untersucht, wie staatliche Ausgabenprogramme über den Arbeitsmarkt auf Löhne, Beschäftigung und das Bruttoinlandsprodukt wirken. Die neue Studie liefert dazu eine einfache, bislang wenig beachtete Erklärung – und rückt den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt.

Der Ausgangspunkt ist eine alltägliche Beobachtung. Arbeitsplätze unterscheiden sich – etwa bei Arbeitszeiten, Pendelwegen oder dem Betriebsklima. Weil Beschäftigten solche Aspekte wichtig sind, wechseln sie nicht sofort den Job, nur weil ein anderes Unternehmen etwas mehr bezahlt. Das verschafft Arbeitgebern Spielraum bei der Lohnsetzung: Sie können Löhne unter dem Niveau halten, das der Arbeitsleistung und Produktivität der Beschäftigten entspricht.

Genau hier setzt die Studie an. Die Forschenden zeigen: Steigende staatliche Ausgaben können diese Situation verändern. Denn wenn der Staat mehr Geld ausgibt, erwarten die Bürger*innen, dass dies finanziert werden muss – durch höhere Steuern oder geringere staatliche Leistungen, heute oder später. In einer solchen Lage gewinnt jeder zusätzliche Euro Einkommen an Bedeutung.

Die Folge: Beschäftigte achten stärker auf den Lohn. Sie sind eher bereit, für eine bessere Bezahlung den Arbeitgeber zu wechseln oder auf bestimmte Annehmlichkeiten zu verzichten. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen stärker um Arbeitskräfte konkurrieren.

Modellrechnungen der Studie zeigen, dass dies die wirtschaftlichen Effekte staatlicher Ausgaben verstärken kann – mit höheren Löhnen, mehr Einstellungen und einem stärkeren Anstieg von Beschäftigung und Produktion. Die Autor*innen prüfen die zentrale Vorhersage zudem anhand von Daten aus den USA. Auch dort zeigt sich: Nach unerwarteten Erhöhungen staatlicher Ausgaben steigen Produktion und Arbeitsvolumen – und es gibt Hinweise darauf, dass Beschäftigte stärker auf bessere Lohnangebote reagieren. Das passt zum vorgeschlagenen Mechanismus.

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